Bessere Führungskräfte mit Neurofeedback
Neurofeedback ist noch immer eine relativ neue Disziplin. Sie eignet sich im therapeutischen Einsatz beispielsweise dafür, Angstzustände oder Schmerz zu verringern. Ihr möglicher Einsatz geht aber weit über das therapeutische Umfeld hinaus. Sportler nutzen Neurofeedback, um ihre Leistungsfähigkeit zu steigern, und auch bei Musikern wurden bereits positive Ergebnisse erzielt. Eine wiederum andere Klientel hat derzeit eine Forschungsgruppe rund um Professor Pierre Balthazard an der W. P. Carey School of Business (Arizona State University) im Auge: Führungskräfte, deren Führungsqualitäten durch Neurofeedback gesteigert werden sollen.
Balthazard und sein Team sammelten in jüngsten Studien Hirnwellen-Daten von ungefähr 350 Senior-Führungskräften aus verschiedenen Branchen und Unternehmen. Die Daten wurden in Beziehung zu den Ergebnissen eines Führungsstil-Fragebogens gesetzt, um bei denjenigen typische Hirnwellenmuster zu erkennen, die als starke und/oder inspirierende Führungspersonen gelten. Das ist wichtig für alle weiteren Schritte. Der Erfolg des Neurofeedbacks basiert letztlich auf der Tatsache, dass körperlichen und geistigen Zuständen eines Menschen ein jeweils eigenes Hirnwellenmuster zuzuordnen ist. Das gilt etwa für Schmerz und Angst, für An- und Entspannung, Stress und Gelassenheit. Sind solche Muster einmal erkannt und Zuständen eindeutig zugeordnet, lassen sich für unerwünschte Zustände (z.B. Schmerz) stehende Wellenmuster bewusst verändern und erwünschte Zustände (z.B. Schmerzfreiheit) ebenso bewusst herbeiführen. Neurofeedback wird im therapeutischen Umfeld mittlerweile etwa bei Patienten mit Epilepsie, chronischem Schmerz, Angstzuständen, AD(H)S, Tinnitus und vielen weiteren Krankheiten oder Störungen eingesetzt.
Neurofeedback macht Vorgänge im Hirn veränderbar
Beim Neurofeedback werden Hirnwellen mit Hilfe der Elektroenzephalografie (EEG) gemessen und durch den Computer in für den Nutzer eingängige akustische und/oder visuelle Reize umgesetzt. Eine mögliche Variante ist die Animation eines fliegenden Flugzeugs. Wird das Neurofeedback nun beispielsweise in der Schmerztherapie eingesetzt, so zeigt die Animation ein geradeaus fliegendes Flugzeug, solange die Hirnwellen typisch für Schmerzfreiheit sind. Sobald sie typische Muster für einen Schmerzzustand aufweisen, präsentiert die Animationen dagegen einen Sinkflug des Flugzeugs. Die Animation zeigt dem Nutzer sehr anschaulich, wann er etwas verändern muss, um die erwünschte Schmerzfreiheit zu erreichen. Das gibt ihm wiederum die Möglichkeit, die Vorgänge in seinem Hirn aktiv zu beeinflussen. Was in der Therapie funktioniert, kann auch Sportlern helfen, den Zustand hoher Konzentration bei gleichzeitiger Gelassenheit zu erreichen, der nicht selten über Sieg oder Niederlage entscheidet. Und es kann als Training für Führungskräfte dienen, mit dem für Führungsaufgaben wichtige Eigenschaften eines Menschen gestärkt werden.
Aus Theorie wird angewandte Praxis
Das Team rund um Pierre Balthazard hat mittlerweile damit begonnen, die Ergebnisse seiner Studien in konkrete Anwendungen umzusetzen. Letztlich soll die Arbeit zu Produkten und Dienstleistungen führen, mit denen sich die Führungsqualitäten von Menschen in entscheidenden Positionen verbessern lassen. Aus Balthazards Sicht dauert es möglicherweise nur noch Monate, bis konkrete Trainings in den Laboratorien entwickelt werden. Aus seiner Sicht und der seines Teams wird Neurofeedback andere und bereits existierende Methoden, Führungsqualitäten zu verbessern, jedoch nicht ersetzen, sondern eher ergänzen. Der Einsatz von Neurowissenschaften für diese Zwecke ist noch relativ neu, aber ausgesprochen chancenreich. Die Teams, die in diesem Bereich arbeiten, sind meist interdisziplinär. Sie vereinen Fachleute aus den Neurowissenschaften, der wissenschaftlichen Führungslehre, der Psychologie und der Informatik. Ähnliche Studien wie an der W. P. Carey School of Business laufen derzeit in Spanien und in China. Experten des US-Militärs interessieren sich ebenfalls für das in dieser Forschung steckende Potenzial, um die Fähigkeiten militärischer Kräfte zu steigern.
Neurofeedback hat auch eine ethische Komponente
Laut Balthazard sind sich die Forscher bei all ihrer Arbeit rund um die neuen neurowissenschaftlichen Techniken auch einer ethischen Komponente ihres Wirkens bewusst. „Dieselben Techniken, mit denen wir Dinge verbessern möchten, können auch in negativer Weise eingesetzt werden“, wird er in der International Business Times zitiert. Das macht einen verantwortungsvollen Umgang mit den neuen Möglichkeiten der Neurowissenschaften notwendig, um etwa Kranken zu helfen, Managern, Sportlern und Künstlern die Chance auf verbesserte Leistung zu geben und in ethisch vertretbaren Bereichen zu bleiben. Dieser Aufgabe stellen sich kompetente Menschen weltweit. Und das ist gut so.
Quelle:http://www.ibtimes.com/articles/143604/20110510/using-neuroscience-to-learn-how-to-build-a-better-leader.htm
