Neurofeedback bei Kopfverletzungen und posttraumatischen Störungen
Im März 2002 veröffentlichten Jonathan E. Walker und Ronald K. Weber vom Neuroscience Centers Inc., Dallas (Texas) sowie Charles A. Norman von der University of Alberta einen Artikel im Journal of Neurotherapy. Thema des Artikels war ein Versuch mit sechsundzwanzig Patienten, die an den Folgen einer „Mild closed head injury (MHI)“ litten.
Von einer „closed head injury“ spricht man, wenn etwa ein Schlag gegen den Kopf Verletzungen verursacht, ohne den Schädel selbst zu verletzen. Eine Reihe der Patienten war aufgrund der Verletzung und posttraumatischer Symptome nicht in der Lage, einen vorab ausgeübten Beruf weiter auszuüben. Bisherige Methoden der Behandlung wurden von den Autoren als zeitaufwändig und teuer eingestuft; die Ergebnisse seien zudem fragwürdig. Aufgrund von Einzelberichten vermuteten sie, dass Neurofeedback eine kostengünstige und schnelle Therapie sein könnte, um die Symptome der Patienten zu beseitigen. Mit ihrem eigenen Versuch beabsichtigten die drei Autoren einen Beitrag zur Prüfung, ob das der Fall ist oder nicht.
Versuch mit 26 Patienten
Die sechsundzwanzig Patienten mit bestehenden posttraumatischen Symptomen bekamen drei bis zu siebzig Monate nach ihrer Kopfverletzung Kontakt mit einem Autor der Studie. Ihnen wurde einerseits ein qEEG verordnet. Die Abkürzung qEEG steht für eine quantitative Elektroenzephalographie und damit für ein komplexes Verfahren der Hirnstrommessung, mit der die gesamten Hirnaktivitäten vermessen werden können. Zusätzlich wurde ein Neurofeedback-Verfahren verordnet, um abnormale Hirnströme zu normalisieren und um damit den Grad der Effektivität dieser Behandlungsart zu analysieren. Die Sitzungen wurden fortgeführt, bis die Patienten entweder anhand von Selbst-Reports über signifikante Verbesserungen bei den auftretenden Symptomen berichteten oder bis insgesamt vierzig Sitzungen ohne Effekte erreicht wurden. Das Ergebnis: Insgesamt 88 Prozent der Patienten stellten bei sich signifikante Verbesserungen fest (mehr als 50-prozentige Verbesserung). Alle Patienten, die zuvor in einem Beschäftigungsverhältnis standen, berichteten, sie seien nach der Behandlung fähig, zurück zur Arbeit zu gehen. Im Durchschnitt wurden dafür neunzehn Sitzungen benötigt. Die Autoren verwiesen darauf, dass ihrem Versuch weitere Studien zu folgen hätten, um Ergebnisse zu bestätigen. Ihr eigener Versuch kann als Indiz dafür gewertet werden, dass Neurofeedback bei posttraumatischen Störungen durch eine Kopfverletzung Verbesserungen erzielen kann.
